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Malteser Neuss

Betreuungsassitenten-Schüler bestehen Abschlussprüfung mit Bravour

Nach dem letzten Praktikum starten die Teilnehmer ins Berufsleben

17.05.2018
Kurs-Mitstreiter gaben während der Prüfung die Demenzkranken
Prüfling Ursula pflanzte mit ihrer Gruppe Orangenkerne in Blumenerde
Eine andere Prüfung hatte Yoga zum Inhalt
Die basale Stimulation wurde auch an den Mitschülern ausprobiert
Fächer zu basteln kam bei den "Demenzkranken" besonders gut an
Zu den vermittelten Inhalten zählte Patientenunterstützung in unterschiedlichsten Bereichen
Beim Bundeslandquizz brachte Prüfling Hedwig die Mitstreiter auf Touren
Schon für die Vorbereitungen hatten sich alle Prüflinge große Mühe gemacht
Dozentin Ursula Thiel und Ausbildungsleiter Michael Görlich nahmen die Prüfungen ab

Neuss. „Wir werden heute kleine Orangenkerne einpflanzen“, erklärt die sympathische Dame mittleren Alters einer Gruppe erwartungsvoll dreinblickender Herrschaften. Diese werden gleich teils freudestrahlend mitwirken und teils eher verhalten bis weniger zugänglich auf das offerierte Programm reagieren. Das Thema der Woche lautet nämlich “Obstgarten“, so steht es auf dem eigens angebrachten, für jedermann gut sichtbaren Plakat mit Orangenabbildung an der Wand. Die freundliche Dame hat allen einen kleinen Plastikblumentopf mitgebracht und ein weiteres Behältnis mit Blumenerde in der Mitte des Tisches platziert. Jener ist zudem auch noch mit hübscher Pflanzengirlande farbenprächtig verziert. Überall befinden sich kleine Garten-Schaufeln und Harken zur freien Verfügung. Diese Zeiteinheit soll vor allem eins werden: Ein sinnliches Erlebnis. Neben der Haptik, die beim gemeinschaftlichen Einpflanzen zum Einsatz kommt, werden aber auch Erinnerungen wach. Wie war das nochmal, damals, als man Orangen aß und sie zwangsläufig vorher schälen musste? Während die einen locker drauflos plaudern und von früher erzählen, begutachten andere erst mal skeptisch die mitgebrachten Utensilien. Beinahe möchte man meinen, ihre Gesichter verrieten die sich ihnen gerade stellende Frage: „Was soll das hier eigentlich alles?“ So verrückt es auch klingen mag, aber genau das ist in diesem Fall erwünscht. Hintergrund: Simuliert wird hier soeben eine Programmstunde für Demenzkranke.

 

Kurz vor Beginn des Programms war die sympathische Dame mittleren Alters nur allzu aufgeregt. Prüfungsangst sei etwas, mit dem sie schon immer zu kämpfen gehabt habe, erklärt sie noch wenige Augenblicke zuvor. Doch als es endlich losgeht, läuft alles quasi wie von selbst. Zeit vergeht im Fluge. Und dann:

 

Die Aufregung war ganz umsonst, denn ihre Prüfung ist gut gelaufen. Uschi Münch aus Grevenbroich hat eine mehr als ordentliche Leistung erbracht. Genau wie ihre acht Mitstreiter wurde die 55-Jährige nämlich jetzt unter den wachsamen Augen von Kursleiterin Ursula Thiel und Ausbildungsleiter Michael Görlich im Rahmen ihrer Abschlussprüfung getestet. Erst im Februar dieses Jahres hatten die Kursteilnehmer mit der beliebten Berufsqualifizierung zum Betreuungsassistenten nach § 53c SGB XI bei den Maltesern in Neuss begonnen. In den vergangenen Monaten erlernten sie sodann alles Wesentliche rund um den professionellen Umgang mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind.

So zählten Krankenbeobachtung und ganzheitliche Pflege, hygienische Aspekte, Kinästhetik und Nahrungsaufnahme neben dem Schwerpunkt Demenz zu den inhaltlichen Bereichen, die intensiv geschult wurden. Ausgebildete Betreuungsassistenten sollen sich nämlich im Rahmen ihrer Einsatzbereiche sowohl auf stationärer, als auch auf ambulanter Ebene, um an Demenz Erkrankte kümmern.

 

Die degenerativen Prozesse im Gehirn der Betroffenen vollziehen sich in verschiedenen Stufen. Als Betreuungsassistent muss man sich darauf einstellen können. Daher sei es wichtig, dass gerade der praxisbezogene Teil der Ausbildung nicht zu kurzkomme, sagt Kursleiterin Ursula Thiel. Die erfahrene Malteser-Dozentin, die seit mehr als drei Jahrzehnten Menschen im sozialpflegerischen Bereich ausbildet, ist begeistert von der Kreativität ihrer Schüler. Aufgabenstellung im Rahmen der Abschlussprüfung war, eine Programmstunde für Demenzkranke vorzubereiten. Dabei sollten gewisse Aspekte zwingend berücksichtigt werden. So komme es beispielsweise in erster Linie darauf an, die Stimmung und das Wohlbefinden der Erkrankten positiv zu beeinflussen. Zentral sei aber auch deren Aktivierung. Die Prüflinge hatte sich diesbezüglich eigenverantwortlich unterschiedlichste Dinge einfallen lassen: So wurden neben dem Orangenbaum pflanzen beispielsweise auch eine interaktive Märchenreise zum Froschkönig unternommen, asiatische Fächer gebastelt, ein Wurfring-Spiel durchexerziert, beim Erraten deutscher Landeshauptstädte um die Wette gequizzt, Yoga trainiert und auch immer wieder gesungen.

 

160 Stunden Schulung liegen hinter den fleißigen Teilnehmern. In dieser Zeit gab es aber nicht nur graue Theorie, sondern gleichermaßen auch Besuche in Einrichtungen, in denen Demenzkranke leben. "Dies ist deshalb so wichtig, weil die Teilnehmer einmal erleben sollten, wie das, was sie in der Theorie erlernen, vor Ort in die Tat umgesetzt wird und dabei sehen, was möglich und was unter Umständen nicht möglich ist“, sagt Michael Görlich (Malteser Ausbildungsleiter Düsseldorf/Neuss)

 

„Es hat mir sehr gut gefallen“, schwärmt der gelernte Einzelhandelskaufmann Sönke Tietjen, einziger männlicher Teilnehmer des Kurses, von den vergangenen Monaten. Sie hätten sehr viel von Dozentin Ursula Thiel gelernt, fährt der 48-Jährige fort. „Mir hat es unglaublich viel gebracht und das Schöne ist, dass wir all das jetzt auch bei der Arbeit in den Einrichtungen anwenden können.“ Der Meerbuscher hatte im privaten Bereich einst seine Mutter begleitet. Auf die Frage, was sich nach der Berufsqualifizierung zum Betreuungsassistenten nun möglicherweise an seiner Betrachtungsweise verändert habe, antwortet er: „Ich bin mutiger geworden, freue mich jetzt auch, das Gelernte anzuwenden und traue mir mehr zu.“ Am spannendsten habe er immer die Projektarbeiten gefunden. Medizinische Themen wie der “Apoplex“ (Schlaganfall) interessierten ihn beispielsweise auch seit jeher.

Verinnerlicht hatten die Kursteilnehmer das zwischenzeitlich gesammelte Wissen in jedem Fall nur zu gut. Weil ihre Mitstreiter sich bereiterklärt hatten, während jeder Einzelprüfung spielerisch die Demenzkranken zu geben, konnte sich jeder Prüfling unter nahezu authentischen Bedingungen beweisen. Die Möglichkeit das Erlernte im Rahmen der Prüfung vor allem praktisch umzusetzen, zeigte deutlich, dass die Schüler es verstanden, in optimaler Weise auf die “Demenzkranken“ einzugehen.  Alle neun Prüflinge haben die Abschlussprüfung sodann auch mehr als ordentlich bestanden. Nach einem letzten Praktikum von insgesamt 80 Stunden können die frischgebackenen Betreuungsassistenten sodann endlich in ihr neues Berufsleben starten.

 

Die Berufsqualifizierung zum Betreuungsassistenten findet abwechselnd in Neuss und Düsseldorf statt. Infos und Anmeldung unter: www.malteser-kurse.de

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