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Malteser Neuss

250 Wegbegleiter verabschieden Neusser Malteser an dessen letzten Arbeitstag

Ruhestandsantritt mal anders

28.04.2019

Kaarst. „Eine gewisse Anspannung hinsichtlich der Frage, ob das Ganze so funktioniert, wie wir uns das vorstellen, ist schon da“, sagt Tim Gladis, stellvertretender Stadtbeauftragter und Wachleiter der Malteser Neuss. Gemeinsam mit den Kollegen Stefan Veiser und Markus Lepper hatte Gladis nämlich bereits seit Januar einen Plan anlässlich des bevorstehenden Abschieds von Rettungsdienstler Achim Schönig ausgeheckt und umgesetzt. Alles hing jetzt von der Verschwiegenheit sämtlicher Eingeweihter ab. Doch von vorne:

 

Eigentlich beginnt der Sonntag für Rettungsassistent Achim Schönig mit einer großen Portion Wehmut. Grund: Der 63-jährige Malteser will seinen letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand angehen. Nach 42 Jahren kontinuierlicher Arbeit im Rettungs -und Notarztdienst der Malteser Neuss sollen nun die letzten Stunden der geliebten Tätigkeit beginnen. Die Dienstjahre, in denen er so viel erlebt und bewegt hat, werden schon in wenigen Stunden ein Ende finden und so soll er nun ein letztes Mal mit seinen Kollegen im Rettungseinsatz sein.

 

Ein wenig seltsam kommt es ihm daher zwar schon vor, dass es sehr still ist, als er am Morgen seinen Dienst im Johanna-Etienne- Krankenhaus beginnt. Auch gestalten sich Abläufe anders als sonst. „Der Notarzt, der üblicherweise mit frühstückt, muss ausgerechnet heute plötzlich weg“, erzählt Achim Schönig verwundert. So habe er ganz allein in der Cafeteria gesessen. Dies sei leicht sonderbar, lacht der 63-Jährige. Was Schönig zu der Zeit jedoch noch nicht weiß: Die Malteser aus Neuss haben eine große Überraschung für den allseits beliebten Kollegen vorbereitet.

 

Rund 250 Wegbegleiter der letzten vier Jahrzehnte sind der Einladung des Planungsteams gefolgt und erwarten den Bald-Rentner gerade in den Räumlichkeiten der Kaarster Feuerwehr an der Erftstraße. Als die Kollegen in Kooperation mit den Töchtern der Hauptperson des Tages im antiken Auto-Korso am Krankenhaus eintreffen und sich Achim Schönig kurzerhand greifen, wird der Malteser in einen der drei Oldtimer verbracht und zügig in die Kaarster Feuerwehrwache chauffiert.

 

Die schnieken und bestens erhaltenen VW- Käfer aus den Siebzigern im Malteser-Design rühren den Rettungsassistenten sogleich: „Als ich mit dem Notarztdienst begonnen habe, sind wir auch immer mit einem genau solchen VW-gefahren“, schwelgt der 63-Jährige bewegt in Erinnerungen. An der Feier-Location angelangt, traut der Malteser dann jedoch kaum seinen Augen: Rund 250 jubelnde Weggefährten, Freunde, Kollegen und Familienangehörige bereiten dem künftigen Pensionär einen gigantischen Empfang. Applaus und frenetischer Jubel rühren Schönig zu Tränen der Freude. Überraschung gelungen:

 

Zahlreiche Malteser und weitere Weggefährten aus unterschiedlichen Dienst-Epochen, zum Teil entscheidend von Schönigs liebenswerter Art und Hilfsbereitschaft mitgeprägt, freuen sich darüber, den heutigen letzten Arbeitstag des 63-Jährigen mit ihm zu verbringen. In den perfekt vorbereiteten Räumlichkeiten der Feuerwehrwache warten bereits kühle Drinks, Canapés, Salate und Gegrilltes auf den Ehrengast und seine Besucher. Das Neusser Feldküchenteam versorgt die Gäste anlässlich dieses speziellen Sonntagsvormittags besonders gerne.  Zur Feier des Tages hat sich die kleine Planungsmannschaft ebenfalls überlegt, sämtliche Dienstjacken der Jahrzehnte auszustellen, in denen Achim Schönig tätig war. Eine Fotobox, wie man sie von Hochzeitsfeiern kennt, steht außerdem bereit, damit sich alle Gäste dort ablichten lassen und das ausgedruckte Ergebnis in ein ausliegendes Gästebuch kleben sowie sich schriftlich darin verewigen können. Das Angebot wird gut genutzt und so entsteht ein schönes Erinnerungsstück rund um den letzten Arbeitstag von Achim Schönig.

 

Nach prägnanten Ansprachen von Tim Gladis und Kreisgeschäftsführer Olaf Beuth rund um die Eigenschaften, die den Rettungsassistenten auszeichnen, haben sämtliche Weggefährten dann Gelegenheit, Erinnerungen mit dem scheidenden Malteser auszutauschen. Schönig, der das Ganze vor 40 Jahren mit aufgebaut hatte, erzählt, dass er nie das Bedürfnis gehabt habe, irgendwo anders zu arbeiten, als bei den Maltesern Neuss. „Es macht auch heute noch Spaß, nur man wird halt älter und es wird anstrengender“, weiß der 63-Jährige. Dennoch will er der Hilfsorganisation auch noch nach seinem Renteneintritt ehrenamtlich erhalten bleiben. „Mal gucken, was sich in nächster Zeit noch so ergibt, vielleicht kann ich mal aushelfen, wenn Not am Mann ist“, strahlt der Rettungsdienstler. Das Geheimnis seiner Beliebtheit sieht Schönig übrigens in einem klaren Rezept: „Man muss immer freundlich sein, mit den Leuten vernünftig umgehen und helfen, dann ergibt sich das Ganze.“

 

„Seit 42 Jahren gibt es den Notarztdienst in der Stadt Neuss und Achim Schönig ist seit dem ersten Tag kontinuierlich dabei“ erzählt Wachleiter Tim Gladis. Daher habe der Rettungsassistent, der sich stets menschlich gezeigt habe, diesen Abschied der besonderen Art auch verdient. Sicher ist insofern jedenfalls eins: Den letzten Tag seines aktiven Arbeitslebens wird Achim Schönig gewiss nicht vergessen.

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