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Malteser Neuss

Malteser Jugend probt erstmalig Rettungsdienst-Einsatz

Komparsen mimen Schwerverletzte täuschend echt

27.11.2019

Neuss. Da hatte sich Sanitätshelferin Judith Tappermann (15) etwas Tolles überlegt: Erstmalig wurde für die Malteser Jugend probeweise eine 24-h lange rettungsdienstliche Übungsstrecke organisiert. Über einen ganzen Tag sowie eine ganze Nacht hinweg sollten sich die Jugendlichen der Abteilung in Bereitschaft befinden und bei Alarmierung unverzüglich mit entsprechendem Gefährt ausrücken, um unter beinahe echten Bedingungen Menschen “zu retten“. Auf die Idee kam Organisatorin Tappermann schon vor rund einem Jahr. „Wir hatten an für sich einmal vor, gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen eine große Übung durchzuexerzieren, die dann jedoch nur über wenige Stunden abgelaufen wäre. Dann fragten wir uns aber, warum sollen wir nur einige Stunden trainieren, wenn man doch direkt 24 Stunden lang üben kann“, erinnert sich die leidenschaftliche Malteserin.

 

Gesagt getan. Nach mehreren konspirativen Sitzungen mit ihren Kollegen Christina Hermann (ehemalige Gruppenleiterin Jugend) und Dominik Bönisch (Rettungsassistent) begannen die konkreten Planungen. Bei so einer Aktion müssen nämlich nicht nur mögliche Einsätze ausgedacht und vorbereitet, sondern auch sämtliche Kollegen, die bei einem solchen Projekt zwingend dabei sein sollten, zwecks Terminfindung schriftlich angefragt werden. Schließlich sollen, genau wie in der Realität, zuverlässige Fahrer und Einsatzleitungen gewährleistet sein. Am Wochenende ist es dann endlich soweit: Nach einer Fahrzeug- und Funkgeräte-Einweisung am frühen Morgen wird es um 10.58 Uhr für sechs Jugendliche ernst: In zwei Gruppen, jeweils auf einen Rettungswagen und einen Krankentransportwagen aufgeteilt, führt der erste Einsatz die über eine eigene Whats-App-Gruppe alarmierte Besatzung zum Eselspfad. Einsatzstichworte: „Chirurgisch, mit Blaulicht, Eselspfad, Hundebiss.“ Was für Otto Normalverbraucher möglicherweise kryptisch kurz erscheinen mag, macht in diesem Zusammenhang jedoch durchaus Sinn. „Sie bekommen nur ganz grobe Stichworte“, erläutert Übungsleitungs-Teammitglied Sven Schönfuß (Rettungsassistent Malteser Jüchen). Bei echten Einsätzen komme es auch darauf an, dass die Retter schnell am Ort des Geschehens einträfen.

 

Nach wenigen Minuten ist der Rettungswagen am Unfallort. In der Nähe einer Bahnstrecke, unweit einer Unterführung, warten bereits die “Verletzten“. Die 14- und 15-jährigen Komparsen, Niels und Gianluca von der Jugendfeuerwehr, haben sich heute eigens dazu bereit erklärt, über den gesamten Übungszeitraum als realistische Unfalldarsteller herzuhalten. Der autodidaktische Makeup-Artist Dennis Schillings (Einsatzsanitäter Malteser Jüchen) zeichnet für das Schminken der Verletzungen verantwortlich. Mit einem mittlerweile gut geschulten Auge fürs Detail zaubert Dennis den Statisten täuschend echt wirkende Bissverletzungen an Wade und Arm. Die fingierte Story: Die Freunde hätten gemeinsam am Feldweg joggen wollen, als ein nicht angeleinter Hund quasi wie aus dem Nichts aufgetaucht sei und sie aggressiv angefallen habe. Purpurrotes Filmblut läuft zwischenzeitlich Niels` Bein hinunter. Mittels eines aus rohem Brotteig angefertigten falschen Stücks “Fleisch“, das er mit Lebensmittelfarbe rot eingefärbt hatte, hat Malteser Dennis Schillings eine täuschend echt wirkende, fiese, aufklaffende Wunde an Niels Wade gezaubert.

 

Als der RTW an der Unfallstelle eintrifft, wissen die Jugendlichen sogleich, was zu tun ist. Im Rahmen ihrer immer samstags stattfindenden Gruppenstunden werden Leben-rettende Maßnahmen nämlich regelmäßig geübt. Die jugendlichen Retter begeben sich flink zu den “Verletzten“ und befragen sie nach dem Hergang des Geschehens, während sie sich die “Wunden“ ansehen und noch an der Unfallstelle fachgerecht mit einem normalen Verband verbinden, um sie steril abzudecken. Dann werden die Patienten in den RTW verbracht. Während Niels samt offenem Bein mittels einer Trage in den Rettungswagen geschoben werden muss, kann sich Gianluca, gestützt von den jungen Einsatzkräften, noch halbwegs eigenständig ins Malteser-Gefährt befördern. Genau wie in der Realität befragen die Nachwuchsretter jetzt auch die Unfallopfer: „Was war das für ein Hund“, wollen sie wissen, doch die Verletzten können es nicht spezifizieren. „Liegen irgendwelche Allergien vor? Besteht ein Tetanusschutz“, fragen die jungen Malteser weiter. Es wird ein Patientenblatt mit den betreffenden Daten angelegt und alles Wesentliche darauf dokumentiert.

 

Weil sie hinsichtlich der Armverletzung Gianluca`s kein Risiko eingehen wollen, doch in ihrem RTW bereits den mit Beinwunde liegenden Patienten Niels beherbergen, fordern die jungen Nachwuchsretter sicherheitshalber noch einen Krankentransportwagen an. Dieser ist schon wenige Minuten später eingetroffen und übernimmt Patient Gianluca, um sich ganz individuell um ihn zu kümmern. Naturgemäß nehmen dann beide Fahrzeuge die Fahrt zum Abtransport der Patienten auf. Beim Rettungsdiensttag geht es zwar statt ins Krankenhaus nun zurück zur Malteser-Dienststelle an der Breite Straße. Doch der erste Probeeinsatz ist schon mal erfolgreich geglückt. Malteser-Jugend-Mitglied, Judith Rosenbaum, die schon zu Beginn der Übung auf viele interessante Einsätze gehofft hatte, zeigt sich rundum zufrieden: „Es war zwar ein bisschen chaotisch, aber in jedem Fall sehr gut.“ Auch Tobias Lenz aus dem Team KTW gefällt es: „Zum warm werden war es nicht schlecht. Der Rettungswagen hat gute Vorarbeit geleistet. Die Besatzung hat den Patienten ordentlich übergeben. So konnten wir im KTW noch einmal kurz die Vitalwerte abnehmen.“ Bei der guten Stimmung hoffen die Kids nun sehr, dass auch in Zukunft einmal wieder so ein spannender Rettungsdiensttag mit ihnen durchgeführt wird.​

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