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Malteser Neuss

Vier starke Frauen im Einsatz gegen die Pandemie

„Irgendwann hatte ich das Gefühl, ich müsse etwas tun“

08.03.2021
v.l.: Die Neu-Malteserinnen Julia, Jiayi, Elvira und Jutta
Das Impfzentrum von oben
Mit dem operativen Einsatzleiter der HiOrgs, Stefan Veiser, arbeiten alle gern
Elvira und Jiayi gefällt die Arbeit sehr gut
Jutta Faerber fühlt sich bei der Arbeit wohl und sicher
Alles ist gut organisiert
Auch der stv. Stadtbeauftragte, Tim Gladis, hat regelmäßig im Impfzentrum zu tun
Das Team freut sich über die gute Zusammenarbeit mit allen Hilfsorganisationen

Neuss. Dass sie sich einmal höchstpersönlich an vorderster Front im Kampf gegen die Pandemie befinden würden, hätten diese Damen vor wenigen Monaten wohl kaum gedacht. Jetzt setzen sie sich jedoch bei den Maltesern mit aller Kraft dafür ein, dass die Menschen so schnell wie möglich geimpft werden. Die Rede ist von Jutta Faerber (64), Julia Beyst (61), Jiayi Ho (24) und Elvira Niebuhr (21). Die Neusserinnen arbeiten seit dem 8. Februar im Impfzentrum an der Anton-Kux-Straße, dessen Träger der Rhein-Kreis Neuss ist. Unter der Weisung des Gesamteinsatzleiters der beteiligten Hilfsorganisationen im operativen Bereich, Stefan Veiser (Malteser), kümmern sich die engagierten Frauen im Team mit ihren Kolleginnen und Kollegen darum, dass der Ablauf in der Impfstelle reibungslos verläuft. Das Besondere: Das Damen-Quartett hatte sich eigens für diese Tätigkeit anstellen lassen.

 

 

 

Das Gefühl, etwas tun zu müssen

 

In Zeiten wie diesen, habe man ständig die Bilder von Intensivstationen vor Augen gehabt, erzählt Julia Beyst, die seit 1978 in Deutschland lebt. „Irgendwann ist mir das so nahe gegangen, dass ich das Gefühl hatte, etwas tun zu müssen“, meint sie. Als Eigentümerin eines Reisebüros hatte die Engländerin im letzten Jahr zwangsläufig kaum mehr zu tun. Die meiste Zeit über war der Laden dicht. Auch Elvira Niebuhr musste sich beruflich umorientieren. Die 21-Jährige hatte bis kurz vor Weihnachten noch im Einzelhandel gearbeitet. Die Filiale musste jedoch dann sehr kurzfristig geschlossen werden. Dass sie nun im Neusser Impfzentrum tätig ist und damit direkt dazu beiträgt, gegen die Pandemie vorzugehen, freut ihre Eltern ungemein. „Obwohl sie erstmal erstaunt darüber waren, dass ich mich gerade hierfür beworben habe, entwickelten sie ganz schnell große Begeisterung dafür und sind geradezu happy, dass ich hier mithelfe“, erzählt die junge Frau.

 

 

 

Malteser stellten neue Mitarbeiter für das Impfzentrum ein

 

Die Neusser Malteser hatten insgesamt 17 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter festangestellt, um die Aufgaben in dem vom Rhein-Kreis Neuss errichteten Impfzentrum bestmöglich zu meistern. Gemeinsam mit DRK und Johannitern sowie deren Manpower stemmen die Malteser sämtliches Organisatorische und Abläufe vor Ort. Zum Betätigungsfeld zählen jetzt in erster Linie Betreuungsaufgaben sowie Logistisches. Gerade ältere Herrschaften  benötigten hin und wieder Unterstützung bei den Formularen für die Impfung oder müssten aus Autos geholt und in Rollstühle oder mal zur Toilette verbracht werden, erzählt der operative Einsatzleiter Stefan Veiser, der auch als Ansprechpartner für die übrigen beteiligten Hilfsorganisationen sowie für die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und den Rhein-Kreis Neuss fungiert. Schon während der Flüchtlingskrise konnte der 53-Jährige, der bald sein 40-jähriges Malteser-Dasein verzeichnet, jede Menge Erfahrungen in den Bereichen Logistik und Einkauf bei der Asylbetreuung in Niederaußem sammeln. Dies kommt Veiser sowie dem kompletten Team im Impfzentrum nun zugute. Über den Fleiß seiner neuen Mitarbeiter freut sich Stefan, der von den Kollegen der Hilfsorganisationen gerne als “Johannes Rau der Malteser“ bezeichnet wird, ganz besonders.

 

 

 

Total begeistert von der Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen 

 

Auch die 64-jährige Jutta Faerber zählt zu den Neuen und hatte sich ganz gezielt beim Malteser Hilfsdienst für den Einsatz im Impfzentrum beworben. „Ich bin total begeistert davon, wie wunderbar die Malteser hier mit dem DRK und den Johannitern zusammenarbeiten“, strahlt sie. Die Organisation sei schlichtweg super. Bisher war Faerber noch in einer Telefonzentrale in Düsseldorf tätig gewesen. Nachdem sie über ein Zeitarbeitsunternehmen angestellt war und nach Ablauf einer festgelegten Dauer in derselben Firma erst wieder nach drei Monaten hätte beginnen können, sollte etwas Neues her. Ebenso wie ihre Mitstreiterinnen, Julia, Elvira und die 24-jährige Jiayi, die gerade ihren Bachelor in Englisch und Deutsch gemacht hat, hätte sich Jutta auch auf etwas völlig anderes bewerben können. Dennoch war allen Frauen eine Sache von vorneherein wichtig: „Ich denke, wir wollen alle, dass die Pandemie so schnell wie möglich endet und hier mitzuhelfen, ist eine gute Möglichkeit,“ konstatiert Studien-Absolventin Jiayi.

 

 

 

Keine Panik 

 

Angst davor, sich möglicherweise selbst anzustecken, haben die couragierten Frauen dabei nicht. „Man sollte realistisch damit umgehen“, sagt die einst in der Nähe von London aufgewachsene Julia Beyst. „Außerdem sind wir gut geschützt“. Man könne den Job nicht machen, wenn man Angst habe, findet sie. Auch wenn Jutta Faerber zu Beginn zunächst noch ganz kurz „Oh je“ gedacht, und ihre Kinder ihr geraten hätten, bloß gut aufzupassen, sieht die 64-Jährige die persönliche Lage längst entspannt. „Ich vertraue den Masken und lasse mich von der Panik nicht ergreifen“, sagt sie. Im Eingangsbereich tragen Fieber-messende Mitarbeiter beim Einlass der Impflinge darüber hinaus auch einen Vollschutz. Gerade diesen Umstand weiß auch Elvira Niebuhr zu schätzen. Aus ihren Erfahrungen im Einzelhandel weiß sie, dass man als Mitarbeiterin im Impfzentrum wesentlich besser vor Ansteckungsgefahren geschützt sei als in einem herkömmlichen Laden.

 

 

 

Viel zu Fuß unterwegs

 

Bei ihrer Arbeit in der Impfstelle dürften die Damen außerdem auch ziemlich fit bleiben, denn dauerhaft an derselben Stelle sind sie eher selten. „Wir erhalten morgens eine sogenannte Laufkarte“, erzählt Jutta. „Wir springen und das ist gut“, strahlt die flotte 64-Jährige, der es an Fitness nicht mangelt. Das Prinzip: Jeder macht etwas von allem und lernt jeden Posten kennen. Auf diese Weise können die Mitarbeiter quasi überall eingesetzt werden. Alle hatten zuvor von den Maltesern neben einer detaillierten Einweisung im Zentrum auch einen Erste-Hilfe-Kurs erhalten, um im Fall der Fälle Leben-rettende Maßnahmen durchführen zu können. Im Vorfeld des Arbeitsbeginns habe es darüber hinaus Übungsdurchläufe gegeben. Jiayi berichtet, dass sie gerade bei der sogenannten Überwachung eingeteilt sei. „Bei den Personen, die bereits geimpft worden sind und die nochmal 15 bis 30 Minuten im Beobachtungsraum Platz nehmen, schauen wir dann, ob es ihnen gutgeht.“ Zu den Aufgaben der vier begeisterten Neu-Malteserinnen zählt aber auch das Fiebermessen am Einlass oder die Anmeldung am Check-In-Schalter. Dort wird kontrolliert, ob auch ein Termin vorliegt und die Personalien werden überprüft. Eine weitere Station, bei der die Damen eingeteilt sein können, ist der Wegweiser, wohin man nach der Anmeldung gelangt. „Dort stehen wir dann und weisen die Leute in die jeweilige Impfstraße ein“, erläutert Jiayi ihre Tätigkeit. Insgesamt gibt es nämlich acht Impfstraßen.

 

 

 

Glückliche Impflinge

 

Zur sensibelsten Tätigkeit dürfte wohl der Transport des Impfstoffs zählen. Hin und wieder sei man auch für diesen Job eingeteilt. Dann gelte es, den fertig aufgezogenen Impfstoff zu den verschiedenen Impfstraßen zu bringen. Daher womöglich kaum verwunderlich, dass verschiedentlich aus dem Umfeld der Damen schon einmal die Frage an sie gerichtet wird, ob sie nicht vielleicht die Impfung des einen oder anderen Nachbarn beschleunigen könnten. Diese Fehlannahme konnten sie gegenüber den Fragenden allerdings schon deutlich klarstellen. Terminvereinbarungen sind nämlich nur über die einschlägig bekannten Varianten, www.116117.de oder Tel. 116117, möglich. Besonderen Spaß macht der Job allen Vieren aber aus einem speziellen Grund: „Die Menschen sind super aufgeschlossen und glücklich darüber, dass sie hier sein dürfen“, erzählt Jiayi. Und Elvira fügt hinzu: „Soweit man dies unter der Maske sehen konnte, sind die Menschen teilweise hier auch mit einem Lächeln rausgegangen und alle haben uns ein positives Feedback gegeben.“ So gibt den vier Frauen die neue Tätigkeit bei den Maltesern, wenngleich sie auch regelmäßig jede Menge Meter fußläufig in der großen umfunktionierten Sporthalle zurücklegen müssen, jedes Mal nach Dienstschluss ein wirklich gutes Gefühl.

 

 

 

 

 

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